1.Einführung
Der Gewalt ins Auge blicken
Das Verhalten von Jugendlichen und Kindern konfrontiert uns mit uns selbst. Schließlich ist es eine Reaktion auf unsere Erziehung und auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie aufwachsen und sich entwickeln.
Gewalt entsteht nicht grundlos, sie hat ihre Wurzeln sowohl in der Erziehung als auch in der Gesellschaft.
Die Grenzen zwischen Aggression und Gewalt
Aggressionen gehören zur menschlichen Natur, die Neigung zu Gewalt ist ein menschlicher Urtrieb.
Aggressionen sind nicht durchweg etwas Negatives. Sie sind nicht nur zum Teil biologisch normal, sondern wir benötigen sie sogar zur Wiederherstellung unseres seelischen Gleichgewicht.
Wenn sich Aggressivität so festsetzt, dass Menschen körperlich oder seelisch oder in ihren Rechten beeinträchtigt werden oder wenn Menschen sich selbst schaden, Sachen sinnlos beschädigt oder zerstört werden, sprechen wir von Gewalt. Als Gewalt gelten also besonders schwere Aggressionen, die zu physischen und psychischen Verletzungen führen.
Jugendgewalt stellt häufig eine Gegen-Gewalt dar. Diese Gewalt richtet sich gegen die unsichtbare oder auch strukturelle Gewalt, die der junge Mensch in seiner Erziehung und in seinem gesellschaftlichen Umfeld erfährt.
2. Vorbeugende und begleitende Erziehung gegen Gewalt
Fehlende Ansprache und Verlust der Sprachkultur
Ein Kind , das die Ausbildung der verbalen Kommunikation vernachlässigt, sich mit einem geringen Wortschatz und unvollständigen kurzen Sätzen zufrieden gibt, findet unter Gleichaltrigen meist durch eine aggressive Körpersprache Beachtung und Anerkennung.
Wir können Einfluß auf unsere Kinder nehmen( und Grenzen setzen), indem wir
- selbst nicht Abkürzungen und Floskeln reden
- auch in Stresssituationen selbst nicht fluchen
- uns Zeit nehmen für ausführliche Gespräche
- uns für die Sprache ihrer Comics und Zeitschriften interessieren
- die Texte ihrer Musik auf eine gewaltreiche oder diskriminierende Sprache hin kontrollieren.
Mangel an Bewegungs-, Koordinations- und Sinneserfahrungen
Der Lebensraum von Kindern ist heutzutage meistens sehr begrenzt.
Kindern, die zu wenig draußen spielen, fällt es schwer, ihre Umwelt realistisch einzuschätzen.
Medien und Gewalt
Kinder reagieren sehr unterschiedlich auf Gewaltszenen :
Die direkte Nachahmung von Gewalt ist also nur eine von verschiedenen möglichen Reaktionen auf Gewaltdarstellungen im Fernsehen.
Ein angemessener Umgang mit Medien bereichert das Leben unserer Kinder. Nur der falsche Umgang schafft Probleme.
Je kleiner die Kinder sind, desto sorgfältiger sollten die Sendungen ausgewählt sein.
Kinder sollten nicht alleine vorm Bildschirm sitzen.
Fernsehkonsum nach Alter dosieren.
Die verplante Welt oder die Last der Erwartungen
Wir sollten Kinder stets herausfordern, doch die Forderungen sollten immer nur ein wenig über dem liegen, was sie sich auch selbst zutrauen.
Wir sollten in unseren Erwartungen Rücksicht nehmen auf das Alter und die Entwicklungsstufe unserer Kinder, auf ihre Bedürfnisse in Bezug auf Spiel, Bewegung, Ruhe, Muße und Kontakt zu Gleichaltrigen.
Erziehung gegen Vorurteile und Diskriminierung
Eltern neigen dazu, Urteile über andere Menschen an unsere Kinder weiterzugeben, um sie vor Gefahren zu bewahren. So entstehen Vorurteile gegen bestimmte Gruppen. Wir können mit einer Erziehung zu Toleranz vorbeugend und begleitend gegen diese Form von Gewalt einwirken.
Fehlendes Wertbewusstsein oder Erziehung zur Eigenverantwortung
In unserer Gesellschaft herrscht eine doppelte Moral vor. Selbstentfaltung und Durchsetzungsstärke sind die Grundpfeiler für Lebenstüchtigkeit und Erfolg, man zeigt sich zwar in unmittelbarer sozialer Nähe solidarisch und hilfsbereit, doch gegenüber der Gesellschaft und unbekannten Menschen kennzeichnen Egoismus und eine Ellenbogenmentalität das Denken, Handeln und Fühlen. Wir Eltern müssen für unsere Wertentscheidung einstehen und sie glaubwürdig vertreten.
Wenn wir unsere Kinder zu Verantwortung erziehen wollen, müssen wir uns selbst dem Gemeinwesen gegenüber verantwortlich zeigen.
Faires Streiten und Konfliktbewältigung
Ob unsere Kinder lernen, ihre Aggressionen in einer sozial verträglichen Weise abzubauen, hängt ganz entscheidend auch von uns ab. Faires Streiten!!
Um einen toleranten Erziehungsstil bemüht sein
Besser ein gelungener Streit als falsche Harmonie um des lieben Friedens willen.
Sexualerziehung und Erziehung zum Neinsagen
Vorbeugen im Gespräch mit ihrem Kind. Schaffen sie eine vertrauensvolle und offene Atmosphäre in ihrer Familie und schenken sie ihren Kindern die Sicherheit, dass sie "nein" sagen dürfen und ihnen allein das Recht zusteht, über ihren Körper zu bestimmen.
Der Mangel an Perspektiven und die Suche nach der eigenen Identität
Immer mehr Jugendliche wachsen heute in dem Bewußtsein einer für sie nicht gerade freundlich aussehenden Zukunft auf. Manch einer reagiert auf den Mangel an Perspektiven mit ohnmächtiger Wut, lehnt sich auf und wird aggressiv und gewalttätig.
Niemand wird gewalttätig, der nicht selbst zuvor das Opfer von Gewalt war.
3. Was Sie konkret tun können, um ihr Kind vor Gewalt zu schützen
Verhaltensregeln
Keine Patentrezepte, aber sie haben sich in konkreten Situationen bewährt. Sprechen sie sie mit Ihrem Kind durch. Ein Gespräch kann Angst nehmen, und das Kind fühlt sich nicht länger allein gelassen.
Beispiel: Eine Gruppe Jugendlicher will Ihr Kind "abziehen", ihm seine Footballjacke wegnehmen.
Selbstverteidigung, Crash-Kurse und Ähnliches
Opfer und Täter weisen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf.
Opfer: physisch schwach, scheu, zurückhaltend, häufig ängstlich, eher ungeschickt, unfähig sich zu wehren, Minderwertigkeitsgefühl, oft wenig Freunde, positive Einstellung zur Schule, enge Beziehung zur Familie,....
Täter: physisch stark, robust, energisch, aggressiv, nicht ängstlich, weiß um seine Stärke, fühlt sich häufig im Recht, hat kein schlechtes Gewissen, kennt kein Mitleid, hat Freunde, wenig positive Einstellung zur Schule, schlechtes Verhältnis zur Familie,..
Gewaltprävention kann aus diesem Grunde nicht nur am Aufbau des Selbstwertgefühl ansetzen, sondern bereits mit dem Üben eines sicheren Auftretens. Selbstbewußtes und entschlossenes Auftreten aber kann Ihr Kind lernen, sei es durch Schnellkurse in der Schule (Projektwoche)oder im Verein durch Selbstverteidigungssportarten.
Schutz vor sexuellem Missbrauch
Die Prävention von Sexualdelikten an Minderjährigen kann nicht mit einem einzigen Gespräch abgeklärt werden. Andere Aspekte sind:
Ein Gespräch über die Gefahren des sexuellen Mißbrauchs ist notwendig, damit ihr Kind weiß:
Anzeichen für sexuellen Missbrauch
Vorsichtig umgehen:
Eltern, die im Fall einer sexuellen Misshandlung ihres Kindes überreagieren oder diese verleugnen, können in ihrem Kind ein weiteres Trauma auslösen.
Sofort professionelle Unterstützung holen.
4. Aggression und Gewalt im Kindergartenalter
Erzieherinnen im Kindergarten kommt eine Sonderstellung zu. Die Erzieherin bildet für die Kinder das Zentrum des Kindergartens. Sie richten ihr Verhalten nach ihr aus und stellen sich auf ihre Stimmungen, ihre Eigenheiten ein. Auf Grund dieser Stellung hat ihr verhalten im Umgang mit Aggression und Gewalt in der Gemeinschaft einen maßgeblichen Einfluß auf die Kinder. Sie definieren was Gewalt ist, und entscheiden, wie damit umgegangen wird.
Die Ausbildung der moralischen Urteilsfähigkeit
Schon im Kindergarten fördern. Gute Beziehung aufbauen.
5. Aggression und Gewalt in der Schule
Das Faustrecht auf dem Schulhof
Schuldzuweisungen
Viele Eltern werfen der Schule immer häufiger Versäumnisse vor. Sie beklagen:
Lehrer wehren sich dagegen
Dem Staat werfen beide Seiten vor, durch rigorose Sparmaßnahmen sich vor der Verantwortung für Bildung zu drücken.
Die Schule als staatliche Institution übt Gewalt aus
Solange wir uns darauf beschränken, uns gegenseitig die Schuld zuzuweisen, blockieren wir den Weg für eine wirksame Gewaltprävention.
Wann sie sich einmischen sollten
Alle Schüler haben das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit und auch deshalb- von unserer Moral und unserem Gewissen einmal abgesehen- haben Opfer ein Recht auf Schutz und Unterstützung. Wir sollten dieses Recht einfordern. Die Schule muss sich dann für unsere Kinder einsetzen, wenn sie
Folgende Schritte wären denkbar
Die Aufgabe der Schule
Die Schule ist verpflichtet einen Beitrag zur Gewaltprävention zu leisten
Sie muß sich der Sozialerziehung widmen, ein friedliches Leben in der Gemeinschaft lehren.
Einen Weg aus der Gewalt gibt es, wenn sich die Lehrer dem Problem stellen. Sie müssen anfangen zusammen zu handeln.
Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Schülern und Eltern
Es gibt eine hohe Dunkelziffer der Gewalttaten. Gründe sind:
Die Spirale der Gewalt lässt sich jedoch nicht aushebeln, wenn Kinder nicht ernst g3enommen werden, und ihnen keinen Schutz gewährt wird. Und die Täter werden nicht hinreichend bestraft. Deshalb sollten wir als Eltern Einfluss üben, damit Gewalt weitgehend reduziert wird. Auch nicht scheuen an die Öffentlichkeit zu gehen.
6.Wege aus der Gewalt
Leitlinien
Was kann Schule bieten?
Die Schule muß sozialpädagogisch arbeiten, dass heißt:
Ebenso wichtig ist jedoch auch die Vermittlung von Werten, die Ausarbeitung von Regeln für das Gemeinschaftsleben und die kritische Auseinandersetzung mit Normen. Das aktive Vorleben ist wichtig. Darüber hinaus muß versucht werden, Defizite an Geborgenheit und Emotionalität auszugleichen und Raum für fehlende Lebenserfahrungen zu bieten.
Vorbeugen: so früh wie möglich
Die Präventionspädagogik muß so früh wie möglich einsetzen. Bei der Präventionspädagogik geht es vor allem darum, den kindlichen Grundbedürfnissen gerecht zu werden.
Anregungen aus dem Ausland
Das "Anti-bullying-Programm"
1. Allgemeine präventive Maßnahmen:2. Prävention im Lehrplan
3. Maßnahmen nach Gewalttaten
4. Empfehlungen für Schüler und Schülerinnen
In jedem Fall: Bleiben sie in ihrem Handeln konsequent, zeigen sie Willen, entwickeln sie Kraft, bleiben sie ausdauernd und bestehen sie darauf, dass etwas geschieht, dass dem Kind geholfen wird